Vom Sinn der allgemeinen Studiengebühren

Studium Technik

Durch Studiengebühren erhöhen die Hochschulen ihre finanzielle Unabhängigkeit von den belasteten Landeskassen. Zum anderen ist das Langzeitstudieren unattraktiver und Studenten sind besser motiviert.

Ganz ohne die Entrichtung von Gebühren verlief ein Studium noch nie. So fallen für den Bildungswilligen die üblichen Semesterbeiträge für Studentenwerk und öffentliche Verkehrsmittel ohnehin an. Hinsichtlich der allgemeinen Studiengebühren wurde das Hochschulrahmengesetz des Bundes 2005 dahingehend geändert, dass die Länder, innerhalb gesetzter Höchstgrenzen, frei über die Höhe des zu entrichtenden Studienbetrags entscheiden können. Auf Basis dieses Gesetzes schafft nun der grün-rote Landtagswahlsieger in Baden- Württemberg seine Studiengebühren ab. Im jüngsten Koalitionsvertrag wird die Gebührenerhebung zum Sommersemester 2012 beseitigt. Während diese Festlegung in der Umsetzungsphase verharrt, gibt es für die verschiedenen Interessengruppen immer noch Diskussionsbedarf über die Sinnhaftigkeit der Entscheidung.

Eines ist klar, die Kassen der Universitäten und Hochschulen profitieren un-mittelbar von den Studiengebühren. Zu-dem müssen die Bildungseinrichtungen einen Nachweis über den Einsatz der Finanzen erbringen. Dies ist im Bayrischen Hochschulgesetz (BayHSchG) verankert. Die zukünftigen Absolventen haben ferner ein Mitbestimmungsrecht, das sie ermutigt, die Investitionsvorhaben mitzugestalten. Die im BayHSchG festgeschriebene Regel ermöglicht den Studierenden den Wechsel in eine Kundenrolle. Aus dieser Rolle hinaus können die Studierenden Leistungen von der Hochschule einfordern, um die Lernbedingungen permanent zu verbessern. Dazu zählt beispielsweise der Aus-bau der Bibliothek oder die Anschaffung technischer Anlagen.

Ferner wird durch die Zahlung der Gebühren jeder versuchen, seinen Studiengang gewissenhaft zu wählen und den Bildungsweg zügig in der Regelstudienzeit abzuschließen. Unnötige Folgekosten werden damit vermieden. Die Hochschulressourcen werden effizienter genutzt und die überfüllten Hörsäle nicht noch zusätzlich mit Lang-zeitstudierenden belastet.

Oftmals werden die Studiengebühren kritisiert. Es heißt, es käme einer sozialen Selektion gleich, die Interessenten aus sozial schwächeren Bevölkerungsschichten ein Studium versagt. Dem ist nicht so, denn hinsichtlich der Finanzierbarkeit des Studiums kann über die Förderbank KfW und andere Banken ein Bildungskredit aufgenommen werden. Darüber hinaus ermöglicht das BayHSchG den Universitäten, die Beitragspflicht auf Antrag zu erlassen, oder Rückerstattungen für Bestleistungen zu zahlen.

Wenn die Studiengebühren wegfallen, finanziert sich jeder Studiengang aus den jeweiligen Landeskassen. Die Steuern und Abgaben der Bürger bezahlen dann die freie Hochschulbildung. Hinzu kommt, dass nur ca. 8% der Studierenden aus Arbeiterfamilien stammen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Fließbandarbeiter bei BMW das BWL Studium des Managersohns mit zahlt. Mit allgemeinen Studiengebühren sind ausschließlich die Profiteure der Hochschulbildung betroffen- die Studenten.